Seit der Mensch sich das Feuer in seine Wohnstätte holte, um sich zu erwärmen und um sich seine Nahrung schmackhafter und verdaulicher zu machen, war er stets auch der Tücke dieses Elementes ausgesetzt.

Bild Stadt k Gebändigt und bewacht leistete es ihm wertvolle Dienste, wenn es aber die gesetzten Grenzen überschritt, brachte es Verderben und Vernichtung. Mühsam und langwierig Aufgebautes sank oft in kurzer Zeit in Schutt und Asche. So zählten die Feuerbrünste wohl zu den schrecklichsten Katastrophen die den Menschen in der Vergangenheit heimsuchten. 
Eisenerz war ein besonders gefährdeter Ort. Neben und zwischen den Wohnhäusern und Knappenkäuschen standen die Eisenschmelzwerke. In den Röststadeln, besonders aber in den Stucköfen, mussten die Temperaturen auf über 1000 Grad Celsius gesteigert werden, um das begehrte Roheisen zu gewinnen. Die Gicht dieser Öfen war offen und die Rauchhaube darüber die in diesem Gebirgskesseltal häufig vorkommenden Fallwinde kam es oft zu starkem Funkenflug und Rückschlag der Flammen. Man lernte daher sehr früh, gegenüber dem Feuer äußerst wachsam zu sein.  Auf einer kolorierten Handzeichnung des Landesarchives  vom Jahre 1598 sehen wir auf dem Sachfirst der Eisenhütten fest montierte Wasserbehälter. Die stets an das Hüttendach gelehnte Leiter trug dazu bei, das Wasser am Dach bei einem eventuell aufkommenden Brand sofort zu erreichen. Auch in der Hütte selbst stand neben der „LAIMBTRIGEN“ (Lehmtruhe) ein Wasserbottich. Trotz dieser Vorsorge und Umsicht war es nicht immer möglich, ausbrechende Brände unter Gewalt zu bekommen und mehrmals brannten Schmelzwerke nieder. Vom Pfarrer, Dechant PHILLIP, haben wir aus dem 18. Jahrhundert genaue Aufzeichnungen über solche Betriebsbrände. Nebeneinem Zeughammer, einer Drathfabrik und einem Holzkohlenmgazin brannte in diesem Jahrhundert auch 3 Schmelzhütten nieder.
Obwohl sich keine Anhaltspunkte finden lassen, dass solche Brände auf den Ortskern übergriffen haben, brannte Eisenerz fast dreimal ab. Bei der Ortsentwicklung rückten die Wohnstätten am Schnittpunkt des Y-förmigen Talbodens immer dichter zusammen und bildeten so den Ortskern, und gerade dieser wurde immer wieder Raub der Flammen.
Der erste urkundlich aufscheinende Brand vernichtete den Ort zur Gänze, er wütete im Jahr 1494 oder 1496. Neben den Kirchenbüchel gingen auch alle magistratlichen Aufzeichnungen und Akten zu Grunde. Über den zweiten großen Brand im Frühjahr 1615 gibt es schon genauere Aufzeichnungen. Dieser Brand vernichtete abermals fast den ganzen Ortskern, machte aber gegen das Krumpental, beim Hause Krumpentalerstraße 12, halt. Der Radmeister Janschitz, dessen Haus auf diese Weise verschont blieb, ließ ein Votivbild malen, welches heute noch in der Gnadenkirche in Mariazell hängt. Sehr anschaulich sehenGrossbrand 1615 k wir den brennenden Ort und die Flucht seiner Bewochner. Mit geretteten Habseligkeiten eilen sie über beide Erzbachbrücken zu den westlichen Berghängen, wo sie Sicherheit vor den tobenden Flammen finden. Noch ragen die Türme der Liebfrauenkirche und des Rathauses aus Rauch und Feuer, doch auch sie konnten dem rasenden Element nicht trotzen, wie wir auf einer Aufzeichnung ersehen können. Der Brand brachte großen Schaden, so das einige in Armut geratene Bürger für immer den Ort verließen, um anderswo neu zu beginnen. Nach diesem schrecklichen Ereignis dürfte die erste Feuerordnung aufgestellt worden sein.
Der dritte Großbrand fiel in das Jahr 1745. Vernehmen wir, was uns Dechant PHILLIPP, Pfarrer in Eisenerz, zu berichten weiß: „Dieses war das unglücklichste Jahr des 18. Jahrhunderts für Eisenerz. Ein unvorsichtiger Knecht verließ ein offenes Licht in dem hauptgewerkschaftlichen Pferdestalle des sogenannten Thomahauser-Hofes in der Nacht vom 1. auf 2. Oktober. Die sinkende Kerze steckte den Heuschlag a, und in wenigen Stunden waren 50 Häuser mit Inbegriff des Rathauses, der Marktkirche, des gewerkschaftlichen Amtshauses, der Schule, des Pfarrhofes und der meisten gerichtlichen, gewerkischen und pfarrkirchlichen Acten ein Raub der Flammen.“
Am 18.03.1746, ein halbes Jahr nach diesem Brand, wurde die bestehende Feuerordnung, wie es heißt, „erfrischt und erweitert“ und in gedruckter Form den Hausbesitzern übergeben. Ein Exemplar dieser Ordnung befindet sich im städtischen Heimatmuseum und gibt uns genaue Auskunft über Feuerverhütung und das Löschwesen dieser Zeit. Es ist sicher nicht uninteressant, uns an Hand dieser Feuerordnung des Landesfürstlichen Marktes Eisenerz ein Bild über die Feuerbekämpfung des 18. Jahrhunderts zu machen. Den einzelnen Punkten der Feuerordnung vorausgesetzt war die Information. Alle Jahre am 1. Mai und am 1. Oktober mussten sich die Untertanen von Eisenerz vor dem Kammerhof, dem Sitz des Kammergrafen, versammeln, wo ihnen die 24 Artikel der Feuerordnung vorgelesen und erläutert wurden. Die Hausväter und Bürger bekamen sie in gedruckter Form ins Haus. So wurde jeder Ortsbewohner ständig informiert und erinnert, wie man Brände vermeidet, aufkeimende Feuer rasch in Angriff nimmt, wo die Löschgeräte zu finden sind und was jeder Einwohner im Ernstfall zu tun hatte.
Nachdem die zur Brandbekämpfung verfügbaren Einrichtungen noch sehr bescheiden waren und nicht ausreichten, einen Großbrand niederzukämpfen, setzte man alles daran, aufkeimende Brände rasch zu ersticken. Die ersten Punkte dieser Ordnung richteten sich an die Hausväter und Hausfrauen. Ihnen wurde aufgetragen, an jedem Abend die offene Herdstelle dahin zu kontrollieren, dass das Feuer eingedämmt war und sich auch keine brennbaren Materialien in Herdnähe befanden. Die Dienstboten hatten sie strengstens dahin zu überwachen, dass sie mit keinem offenen Talg- oder gar Spanlicht im Stall, Stadel oder Kammer hantierten. Ihre Schlafkammern durften sie nur mit Laternen betreten, aber auch diese durften in Bettnähe weder aufgehängt noch hingestellt werde. Täglich hatten in der Küche zwei Schaff Wasser bereitgestellt zu werden, Türen und Fenster mußten Nachts fest geschlossen sein wegen des gefahrbringenden Luftzuges, dies galt auch für das eiserne Rauchfangtürl. Für die rechtzeitige Kehrung der Rauchfänge und für das Entfernen des angesetzten Pechs war der Hausvater verantwortlich. Viermal jährlich mußten die beiden „Feuer-Commisar“ und in ihren Vierteln die Viertelmeister eine Feuerbeschau durchführen. Eisenerz war damals in vier Viertel, das heißt in vier Bezirke, eingeteilt, denen der Viertelmeister vorstand, welcher wiederum dem Marktrichter gegenüber verantwortlich war. Wie wir sehen, eine straffe Organisation.
Wurden Mängel angetroffen, mußten sie bei scharfer Strafandrohung sofort behoben werden. Der Hausherr hatte auch den strengen Auftrag, in den frostfreien Monaten stets zwei bis drei Bottiche, zu geben, mit Wasser gefüllt, am Dachboden aufzustellen. Um bei eventuellen nächtlichen Löschaktionen nicht behindert zu sein, mußten im Hausflur und Stiegenhaus zu jederzeit Laternen bereit stehen. Kein Brand, und wäre er noch so klein, durfte verschwiegen werden. Vor allem bestand die Pflicht, die Nachbarn sofort zu alarmieren, einerseits um Hilfe zu erlangen, andererseits ihnen die Möglichkeit ihren Besitz sofort zu schützen, sollte das Feuer sich ausbreiten und übergreifen. Das „gefährliche Tabakrauchen“ war in Ställen, Stadeln, Kammern und am Dachboden streng verboten. Sogar die Nachtwächter hatten das Recht, das Tabakrauchen in den nächtlichen Gassen zu verbieten.
Für die Schmelzhütten, Schmiede und Hämmer gab es eigene, noch strengere Gebote und Verbote. Jeder Blähhausarbeiter hatte beim Ausbruch eines Feuers eine bestimmte Wehrfunktion zu erfüllen, um jeden Brand schon im Keim ersticken zu können. Besonderes Augenmerk mußte auf den gesamten Hüttenkomplex, der ja zu größten Teil auf Holz bestand, geworfen werden. Mehrmals täglich, besonders nachts, mußte er visitierend umgangen werden. Einen strengen Auftrag hatten auch die Kohlefachter, sie durften keine heiße Holzkohle in den „Kohlbärn“ (Kohlemagazin) einlagern. So versuchte man durch strengste Verordnungen die großen Gefahrenquellen der Schmelzwerk als Brandgefahr für den Ort weitestgehend auszuschalten.
 
Alamierung k
Zu den früheren Möglichkeiten der Feuerüberwachung in größeren Orten, gehörte neben den Nachtwächtern die Turmwächter auf den Kirchtürmen. In den Bauraittungen der Kirche St. Oswald in Eisenerz vom Jahre 1486 finden wir bereits Hinweise für eine solche Wache auf den damals neuerstellten Turm, von dem man aus sehr leicht die drei Täler des Ortes übersehen konnte. Ein Jahrhundert später fanden die Eisengewerke des Ortes, die Radmeister, einen günstigeren Platz für die Feuerüberwachung des Ortes, besonders aber für das Krumpental, in dem ja die meisten Schmelzhütten lagen. Der Turm hatte noch eine zweite Aufgabe zu übernehmen, die Knappen und Hüttenleute zur Arbeit zu rufen. So beschlossen sie, auf der ebenen Stelle über den Ortskern, Dorfereben genannt, einen Wacht und Schichtturm zu bauen. 1585 war der Turm so weit fertiggestellt, daß die Wache Tag und Nacht ihren Dienst versehen konnte.
So wurden auch die Turmwächter in die Feuerordnung einbezogen, es heißt da:
Das
 "die Thurm-Wächter mittels eines scharfen Juraments dahin verhalten werden, das die auf gemelten Wachturm Tag und Nacht wachtbar und munter seyen."
 
Eisenerz gehörte somit zu den ganz wenigen Orten, die einen eigenen Turm für die Feuerüberwachung errichteten, wenn er auch einen zweiten Zweck zu dienen hatte. Noch heute, nach fast 430 Jahren versieht der Turm mit seiner Sirene den Dienst für die Feuerwehr.
Das Löschgeräte-Inventar, welches der Feuerordnung von 1747 angefügt ist, gibt uns einen guten Überblick über die Löschutensilien dieser Zeit. In den 4 Ortsviertel finden wir bereitgestellt:
46 Feuerleitern, 39 Feuerhacken, 68 lederne Wassereimer, 82 Wasserschaffe, 42 Wasserschöper (zum Wasser schöpfen aus den Bächen), eine große Feuerspritze und eine kleine magistratliche Feuerspritze, außerdem noch 17 Griesbeile. Jedem Einwohner wurde eineprägt, wo sich allgemein zugänglich, diese Geräte befanden. Leitern, Feuerhacken und Griesbeile hingen zumeist an der Außenwand bestimmter Häuser, die Eimer, Schöpfer und Schaffe waren in den Vor- und Stiegenhäuser der gewerkschaftlichen und öffentlichen Gebäude untergebracht. Dieses bescheidene Inventar gibt uns trotzdem eine gute Vorstellung wie man damals versuchte, der Feuergefahr zu begegnen. Für ausbrechende kleiner Brände konnte damit sicher ein wirksamer Löscheffekt erzielt werden. Die strenge Durchführung der vierteljährigen Feuerbeschau durch die magistratliche Feuer-Commisäre und die ständige Aufklärung der Bevölkerung trugen sicher dazu bei, das seit dem Großfeuer 1615 kein ortsvernichtender Brand mehr ausgebrochen ist. Am 11.9.1807 drohte dem Ort wieder eine große Brandgefahr. Um 4 Uhr früh weckte die Feuerkanone am Schichtturm die Schläfer zur Feuerabwehr. Die ausgehängte Feuerlaterne zeigte zur Ortsmitte. Am Mautbühel brannte das Lindegg`sche Haus und der gewerkschaftliche Schmalzkasten; sie waren nicht mehr zu retten. Die Gefahr für den Ort konnte aber abgewehrt werden.
Zur damaligen Zeit waren fast alle Untertanen des Ores bei der eisenschaffenden Hauptgewerkschaft beschäftigt. Löschaktionen konnten gemäß der Feuerordnung, gefordert und befohlen werden. Das änderte sich aber gegen Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Wiener Revolution und die folgende Auflösung des Meternich`schen Polizeistaates gewährten den Bürgern und Untertanen größere Freiheiten, sodass die straffe Organisation über den Mannschaftseinsatz bei Feuergefahr, wie sie in der Feuerordnung festgelegt war, kaum mehr durchzuführen war. Nachdem aber die gefährlichen Stücköfen den modernen Flossöfen weichen mussten, die offenen Herdstellen allmählich verschwanden, verringerte sich auch die Brandgefahr. Urkundlich ist uns aus diesen Dezennien vor der Gründung der Feuerwehr kein größerer Brand bekann.

Quelle: Vorwort zur Chronik der Freiwilligen Feuerweher Eisenerz von Albrecht GFALL, Festschrift 125 Jahre FF Eisenerz, 1999