Um die Mitte des 19. Jahrhunderts schlossen sich bei Karlsruhe in Deutschland zum ersten mal Männer zu einem Verein zusammen mit dem idealen Ziel, Leben und Gut ihrer Mitmenschen bei Feuersgefahr zu schützen. Bald darauf kam es überall zu Gründungen solcher Feuerwehrvereine. Auch in Österreich fanden sich Männer zusammen, nachdem die Februarverfassung von  1861 den Bürgern Vereinsgründungen gestatteten.

In unserem Land finden wir 1865 die erste Feuerwehr in Graz, es folgen Bruck und Leoben 1868. Für den abgeschiedenen Knappenort Eisenerz mit seiner besonderen Feueranfälligkeit lag eine solche Gründung wohl in der Luft, es bedurfte nur eines Initiators. Dieser fand sich bald in der Person des Notars Dr. Eduard HOMANN. Mit seinem Anliegen befasste er den Obmann der Polizeisektion des Gemeindeausschusses;Herrn Karl NOLI, welcher am 6.5.1874 eine Sektionssitzung einberief, um die Aspekte dieser Anregung festzulegen und für die nächste Gemeindeausschußsitzung am 12.5.1874 als Tagesordnungspunkt vorzulegen. In dieser Sitzung wurde die Gründung einer freiwilligen Feuerwehr in Eisenerz beraten und für wünschenswert befunden. Aus diesem Sitzungsprotokoll entnehmen wir folgendes:

Beschlußfassung:

a) Der vorgelegte, von der Polizeisektion geprüfte und als befundene Statuten-Entwurf für die in Eisenerz zu errichtende freiwillige Feuerwehr wird genehmigt, es sind daher nach diesem Entwurf die Statuten zu verfassen und deren Genehmigung durch die politische Behörde zu erwirken;

b) Dem K. u. K. Notar Dr. HOMANN wird für die Verfassung des Statuten-Entwurfes und für seine bisherige Bemühung in der Sache der Dank der Gemeindevertretung ausgesprochen und es wird derselbe wegen seiner Sachkenntnis in Feuerwehr-Angelegenheiten und wegen seines an den Tag gelegten Interesses an einer Feuerwehr in Eisenerz zum Mitglied der Polizeisektion im Bezug auf Feuerlöschangelegenheiten sowie zum provisorischen Feuerwehr-Kommandanten ernannt;

c)  Wird vorläufig ein vollständiger Löschtrain samt Zubehör, mit Wiener Patent-Abprotzspritze von Krauss in Wien, angeschafft, und es sind die Kosten im beiläufigen Betrage von 2.000 fl ÖW (Gulden österr. Währung) einstweilen Vorschußweise aus der Gemeindekasse zu bestreiten: und

d) Zur Teilnahme an dieser Beschaffung sind die hiesigen Gewerkschafter und das  bürgerliche Wirtschaftsamt als solche, dann die hiesigen Einwohner durch Sammlung freiwilliger Beiträge einzuladen, und erst der auf diese Weise noch verbleibende unbedeckte Kostenrest ist aus Gemeindemittel oder im Wege der Gemeindeumlage zu bestreiten.

Aufruf zur Gründung k


Der Gemeindeausschuß stand der Gründung sehr wohlwollend gegenüber, drei ihrer gewichtigen Mitglieder traten dem Gründungsausschuß bei, voran der Bürgermeister Franz MOSER. Ihm folgten der Hüttenverwalter Franz BAZANT und der Kaufmann Johann GROGGER. Diese Gründung war von Anbeginn engstens mit dem Magistrat verbunden und sie ist es heute noch. Zu den Mitgliedern des Magistrates kam noch der allseits beliebte Berg- und Hüttenverwalter Johann HEIGL und der Verwalter der steirischen Eisenindustrie, Mathias JARITZ. Am 18.6.1874 erließ die Gemeindevorstehung einen vom Bürgermeister Moser unterzeichneten Aufruf an die Bevölkerung von Eisenerz, sich mit Opferwilligkeit und Gemeinsinn an der Verwirklichung dieses edlen Projektes im eigenen Interesse mit Spenden und Beitritten zu beteiligen. Der Aufruf hatte guten Erfolg. Über 200 Männer meldeten ihre Mitgliederschaft an und jeder gab an Spenden, was er geben konnte. Über Erwarten brachte die Sammlung die schöne Summe von 3848 Gulden.

Die von Herrn Dr. HOMANN ausgearbeiteten Statuten wurden der Statthalterei in Graz vorgelegt, diese am 8.7.1874 ohne Einschränkung genehmigt. Sofort wurden 500 Stück gedruckt, wobei die Druckkosten von der Gemeindevorstehung übernommen wurde.

Nun konnte die statutenmäßige Wahl durchgeführt werden. 206 Mitglieder wählten ihren Kommandanten und seinen Stellvertreter, den Zugsführer und seinen Stellvertreter sowie einen Schriftführer und einen Kassier. Die Wahl fiel auf folgende Männer:

Archiv MU 09 Freiwillige Feuerwehr Kopie

1. Kommando der Feuerwehr Eisenerz (Bildarchiv Stadtmuseum)

Dr. Eduard HOMANN, K.u. K. Notar in Eisenerz
Mathias JARITZ, Bergverwalter der Eisenwerksgesellschaft
Ing. Gerhard SEDLACZEK, Bergbeamter der Innerberger Hauptgewerkschaft
Johann HEIGL, Berg- und Hüttenverwalter der Innerberger Hauptgewerkschaft
Alois KRAUSS, Forstverwalter der Innerberger Hauptgewerkschaft
Herr SCHRAMMEL, Zimmermeister

Mit dem Kommando wurde einstimmig Herr Dr. HOMANN betraut.

Die Spendenaktion ermöglichte die Anschaffung von zwei vierrädrigen Handdruckspritzen sowie Schläuchen und Leitern. Noch im Gründungsjahr konnte ein einsatzkräftiger Löschzug zusammengestellt werden, welcher vom Exerziermeister in Leoben, Herrn J. MÄDER, ausgebildet wurde. Schon im folgenden Jahr bewährte sich der Zug beim Löscheinsatz von 5 Bränden.

Diese ersten Erfolge, wobei der Brand eines Kohllöschbarrens besonders schwierig zu bekämpfen war, ermutigte die Männer zu fleißigem Üben. Um die weitere Ausbildung machten sich
Herr Bergdirektor Ing. Emil SEDLACZEK und Herr Oberförster Max WÜRTENBERGER besonders verdient.