Im Frühjahr des Jahres 1876 wurde Herr Dr. HOMANN versetzt und verließ am 8.4.1876 Eisenerz. Dem verdienstvollen Mann ist der Abschied sicher nicht leicht geworden, für die Feuerwehr war diese Versetzung ein großer Verlust. An seiner Stelle wurde der Forstmeister Alois KRAUSS zum Hauptmann gewählt. Er bekleidete diese Stelle 18 Jahre lang und hat während dieser Zeit hervorragende Aufbauarbeit geleistet.

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 Quelle: Bildarchiv Stadtmuseum

Für die Unterbringung der Spritzen und Löschgeräte fand sich, Dank des Entgegenkommens des Realitätenbesitzers Steinberger, ein Lokal. In seinem Hause, dem ehemaligen Getreidekasten am Bergmannsplatz, widmete er der Feuerwehr ein Gewölbe für dauernde Zeit. Noch heute dient dieses erste Rüstlokal als Abstellraum für Geräte und Leitern.

1877 brach am Grießkohlbarren ein mächtiger Brand aus, der zwei Tage und eine Nacht andauerte. Der jungen Wehr gelang es, den Brand unter Kontrolle zu halten und einzudämmen, war nur mit hartem Einsatz und großer Anstrengung gelang. Diese hervorragende Leistung wurde mit einem Dankschreiben der Innerberger Hauptgewerkschaft gewürdigt und mit einer Spende der Montanversicherungsgesellschaft von 200 Gulden belohnt. Auch die Bezirkshauptmannschaft fand anerkennende Worte in einem Dankesvotum. Die Freiwillige Feuerwehr Eisenerz hatte somit bei einem gefährlichen Brand ihre Leistungsfähigkeit bewiesen.

Die Mitgliederzahl wuchs weiter an und ein zweiter, dritter und auch ein vierter Zug wurden bald hintereinander ausgebildet. Auch die Ausrüstung für diese Züge konnte bereitgestellt werden.

1884 beschloss der Gemeindeausschuss den Bau eines neuen Amtshauses. Im Parterre dieses neuen Hauses hatte man Lokalitäten für die Feuerwehr eingeplant und außerdem 1886, noch während des Baues, die Errichtung eines Schlauchturmes im ostseitigen Teil des Gemeindehofes beschlossen, nachdem bereits 1880 ein Beitrag von 200 Gulden für diesen Zweck zurückgelegt wurde. Die Eröffnungssitzung fand am 21. Juli 1887 im neuen Amtsgebäude statt. Zu dieser Zeit dürfte auch die Feuerwehr Ihre neue Heimstätte bezogen haben.

Mit aufkommen der technischen Möglichkeit des Fernsprechens, wurde 1883 diese Neuerung dazu benutzt, eine Telefonverbindung von der Wohnung des Feuerwehrkommandanten zum Schichtturm herzustellen, der jahrhundertelang die zentrale Stelle der Feuerüberwachung und Feueralarmierung war. Für diesen Zweck leistete die Gemeinde- Vorstehung einen Beitrag von 300 Gulden. Auch eine Dilettanten- Theatergesellschaft trug mit einer Spende von 100 Gulden zu diesem Vorhaben bei.. Wir wundern uns heute über die Kostspieligkeit dieser Anlage.

1896 konnte eine neue Abprotzspritze und eine dreiteilige Ansteckleiter aus Mittel des Landesausschusses und der Gemeinde Eisenerz angeschafft werden.

Die Mitgliederzahl wuchs auf 336 an, und es wurde ein fünfter und sechster Löschzug zusammengestellt, die aber später wieder auf vier reduziert wurden. In den Ortsteilen Krumpental und Trofeng konnten geeignete Rüstlokale gefunden werden, welche die Einsatzschnelligkeit gerade in diesen auseinanderliegenden Teilen des Ortes wesentlich vergrößerte. Etwas später konnte auch, im noch weiter entfernten Münichtal, ein Löschzug die eigene Rüststätte beziehen.

Im letzten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts finden wir in Eisenerz bereits eine gut ausgebildete und sich in vielen Bränden bewährte Feuerwehr.

Am 30. und 31. Juli 1897 ging ein furchtbares Unwetter über Eisenerz nieder, und ein wütendes Hochwasser war die Folge. 127 Mann der Feuerwehr kämpften zwei Tage und eine Nacht um Personen, Häuser und Vieh vor seiner Wut zu schützen. Bei diesen ersten Hochwassereinsatz hat sich die Feuerwehr glänzend bewährt.

Vom 9. bis 11. September 1899, kam es wieder zu einer Hochwasserkatastrophe, wobei der Heinrichsgraben und der Bereich des Tullbaches in besondere Mitleidenschaft gezogen wurden. Die Bahnhofsanlage wurde Großteils durch Schutt- und Schlammmassen verschüttet. Die Reischenbacherkeusche im Heinrichsgraben wurde weggerissen und die Weißensteinerkeusche weitgehendst im Schlamm eingegraben. Zwei Arbeiter ließen bei dieser Katastrophe ihr Leben. Durch 70 Stunden kämpften abwechselnd 200 Männer unerschrocken gegen die vermurende Wasserflut, um 15 bedrohte Menschen aus der Reischenbacherkeusche zu retten. Der Statthalter von Steiermark hatte, anlässlich der Besichtigung des Schadens, der Eisenerzer Feuerwehr sein größtes Lob ausgesprochen.